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Ernaehrungsluegen

Ernähren Sie sich gesund und abwechslungsreich?

Essen ist für jeden Menschen ein Thema. Jeder ißt täglich - in unterschiedlichster Zusammenstellung, in unterschiedlichster Menge, an den verschiedensten Orten und aus verschiedenen Gründen:

  • weil es lebensnotwendig ist
  • weil es Spaß macht
  • aus Gründen der Geselligkeit

In einer Gesellschaft bedeutet Essen sehr viel mehr als nur biologische Notwendigkeit, es bereitet auch Vergnügen, fördert oder erleichtert die Kommunikation, steigert die Lebensqualität

Zu einem Fest gehört das gemeinsame Essen. Im Christentum hat das gemeinsame Abendmahl eine spezielle symbolische Bedeutung. Mit Leuten, die wir nicht mögen, wollen wir nicht an einem Tisch sitzen. Wir essen, um uns zu belohnen, aber auch, um uns zu trösten - das Wort Kummerspeck kommt nicht von ungefähr. Der Magen als Speicher der aufgenommenen Nahrung ist ein Organ, das auf seelische Nöte empfindlich reagiert, denn Ärger „schlägt auf den Magen“; im Gegensatz dazu heißt es „Liebe geht durch den Magen“.

Im Laufe unseres Lebens lernen wir, Essen mit Gefühlen und Stimmungen zu verbinden, diese Gefühle und Stimmungen durch Essen zu schaffen oder situationsabhängig mit der Art und Weise des Essens auf Gefühle und Stimmungen zu reagieren. Darüber hinaus beeinflussen gesellschaftliche Normen und persönliche Neigungen die Eßmotive.

Daraus wird ersichtlich, das unser Eßverhalten im allgemeinen nicht durch Verstand und Vernunft gesteuert wird, und warum infolgedessen Ernährungsaufklärung, die die sachlich - medizinischen Fakten in den Vordergrund stellt, häufig nicht den gewünschten Erfolg erzielt.

Es gibt eine Vielzahl von Motiven für die Auswahl von Nahrungsmitteln:

  • Geschmack als Genuß
  • Hunger
  • Ökonomie
  • Kultur
  • Tradition
  • Gewohnheiten
  • Emotionen
  • Soziale Gründe
  • Statussymbole
  • Gesundheit
  • Schönheit, Schlankheit
  • Verträglichkeit
  • Sicherheit
  • Krankheit
  • Ökologie

Diese Vielfalt zeigt, wie unrealistisch der Anspruch ist, alle Menschen müßten sich ständig gesund ernähren.

Zusätzlich zu den Eßmotiven beeinflußt auch die jeweilige Situation, für welche Speise sich ein Mensch entscheidet. In der jeweiligen Situation erscheint den Menschen ihre Entscheidung sinnvoll und richtig. Erst wenn sie über ihr Eßverhalten nachdenken und ihnen Zusammenhänge bewußt werden, können sie die Bereitschaft entwickeln, ihr Verhalten überhaupt ändern zu wollen.

Wenn man mal die Ernährungsgewohnheiten von früher und heute vergleicht, zeigen sich deutliche Veränderungen. In Berichten von Handwerkern und Landarbeitern, die ihre Eßgewohnheiten um 1900 schilderten, finden wir Elemente des Eßverhaltens , die heute für viele Menschen weniger Bedeutung haben:

  • Regelmäßigkeit der Mahlzeiten
  • sparsamer Umgang mit Lebensmitteln
  • Saisonabhängigkeit der Speisen
  • bestimmte Gerichte nur für Festtage
  • besonderer Wert von Fleisch

Noch vor wenigen Generationen war das Essen für die Mehrheit der Bevölkerung knapp, der Kampf um das tägliche Brot beherrschte den Alltag. (Traum vom Schlaraffenland) Heutzutage besteht das Problem eher darin, das Richtige aus einer riesigen Angebotspalette auszusuchen, die durch internationalen Warenhandel, Treibhausprodukten, gestiegene Produktivität in der Landschaft und industrielle Verarbeitung entsteht.

In zunehmendem Maß hat Rationalisierung Einzug in die Küchen gehalten. Nicht jeder möchte täglich mehrere Stunden Essen vorbereiten, kochen und anschließend aufräumen. Die vorbereiteten bzw. fertigen Produkte der Nahrungsmittelindustrie kommen einem da sehr gelegen. Paradox ist, daß in den perfekt ausgestatteten und technisch ausgeklügelten Küchen der heutigen Zeit immer mehr fertige Speisen angerührt oder aufgewärmt werden.

Das Schlaraffenland ist Wirklichkeit geworden, aber es hat auch seine Schattenseiten:

Die ernährungsbedingten Krankheiten.

Der Zusammenhang zwischen Ernährung und Krankheit ist schon länger bekannt; heute verfügen wir über Studien und Statistiken, die diese Zusammenhänge belegen. Gesundheitliche Aspekte im allgemeinen und von der Ernährung im speziellen haben für jeden verschiedenes Gewicht. Junge, noch gesunde Menschen machen sich meist wenig Gedanken darüber; schließlich ist es all zu menschlich, erst an die Gesundheit zu denken, wenn man sie bedroht glaubt oder sie wirklich bedroht ist. Mit zunehmendem Alter jedoch steigt die Krankheitshäufigkeit, und spätestens dann beginnt der einzelne, sich über persönliche Verhaltensweisen Gedanken zu machen und Schlußfolgerungen aus langjährigem Verhalten zu ziehen.

Der Mensch ist was er ißt.

Wenn man davon überzeugt ist, daß man seine Ernährung bewußter und „wertvoller“ gestalten möchte, dann ist es wichtig, die individuelle Situation mit den persönlichen Bedürfnissen zu berücksichtigen. Aufgesetztes Verhalten oder extreme Diäten unter Zwang bringen keine dauerhaften Erfolge, hinterlassen Unzufriedenheit und führen nur zum Gegenteil des erhofften Ergebnisses. In eine neue, bessere Ernährungsweise sollte man aus Überzeugung und langsam hereinwachsen.

Essen darf nicht nur den Vorgang der Nahrungsaufnahme bezeichnen, sondern sollte als Event, als Ereignis, als ein Beitrag zur Lebensqualität angesehen werden. Dazu gehört auch Vorfreude, bewußtes Aussuchen, Zubereiten und Genießen. Im Interesse der Gesundheit zukünftiger Generationen sollten wir bestrebt sein, dieses Bewußtsein durch praktiziertes Vor-Leben bereits bei den Jüngsten zu schaffen. Essen ist so wichtig und angenehm, daß es einen hohen Stellenwert in unserem Wertesystem haben sollte.